6 Shows & Musicals in London in 2021 – ohne Maske

Ende 2021 war ich nach langen zwei Jahren endlich wieder in London – und mehr als überrascht, dass dort ein absolut normales Leben möglich ist, in dem Masken und Maßnahmen einen nicht mehr ausbremsen. Während meines Aufenthalts besuchte ich sechs Shows und Musicals: Life of Pi, Frozen, Mary Poppins, Wicked, The Great Gatsby (Immersive) und Moulin Rouge. Zweimal wurden Nachweise ohne Namensabgleich gecheckt, einmal die Temperatur am Handgelenk gemessen. Mehr nicht. Immer hieß es, wenn möglich, solle man Masken tragen, aber fast keiner trug eine. Wie die Shows waren, welche mich zum dritten Mal begeisterte und welche davon mich am meisten enttäuscht hat, erfährst du in diesem Beitrag. Infos zu meinen Reisen findest Du hier und wirst via Twitter und Telegram über neue Beiträge informiert. Mehr zu meinen Reisen findest Du auch in den Stories auf Instagram und Videos auf Youtube.

6 Shows & Musicals in London während Corona aber ohne Maske.

6 Shows & Musicals in London während Corona aber ohne Maske.

Life of Pi – Bühneninszenierung in London

Life of Pi. Als ich während des Lockdowns auf die Malediven flüchtete und dort erstmals leuchtendes Plankton sah, war immer von diesem Film die Rede. Der Film, der seit Jahren auf meiner Watchlist ist, zu dem ich mich aber nie aufraffen konnte. Als ich nun sah, dass es eine Inszenierung bzw. wie ich dachte, ein Musical, davon in London gibt, sah ich meine Chance. Das Wyndham’s Theatre ist gar nicht mal so groß und bietet auf drei Rängen nur Platz für 759 Zuschauer. Umso intimer wirkte jedoch die gesamte Performance. Nach einer Weile verstand ich, dass es sich gar nicht um ein Musical, sondern ein Theaterstück handelt – ich gebe zu, ich hatte gar nichts zuvor gelesen. Umso mehr erfreut war ich, da ich eigentlich nicht der größte Freund von Musicals bin.

Nachdem mich König der Löwen damals sehr enttäuschte, weil ich finde in Sachen Tierkostümen ist das mehr als enttäuschend, beigeisterte mich die Tierdarstellung bei Life of Pi umso mehr! Drei Personen braucht es, um den mächtigen Tiger zum Leben zu erwecken und das geschieht so authentisch, dass man wirklich denkt, der Junge sei mit einem Tiger auf dem Boot. Der Zuschauer schafft es, die Menschen um den Tiger herum vollständig auszublenden. Ich bin begeistert und der Boden liefert den Rest: reißende Wellen flimmern über den Boden, das kleine Boot schwankt darauf. Die Schauspieler sind exzellent, das Ende für mich nicht vorhersehbar und erschreckend. Ich gehe davon aus, dass dieses Stück nicht allzu nah am Film ist, kenne diesen ebenso wie das Buch jedoch immer noch nicht.

Fazit: Auf meiner Watchlist ist der Film ganz nach oben gerutscht und ich empfehle Life of Pi in London maximal! Für mich ein absolutes Must See!

Life of Pi in London - eine fantastische Show.

Life of Pi in London – eine fantastische Show.

Frozen – Musical in London

Frozen. Nun ja. Ich hielt mich einst im selben Raum auf, in dem der Film lief. Ich fand ihn weniger schlimm, als erwartet. Lang, lang ist’s her und meine Erinnerung beschränkte sich etwa auf „zwei Mädchen, dann Frauen, Schloss aus Eis, Olaf, irgendwas war wirklich witzig, das furchtbare Lied“. Wieso sah ich also ein Musical, wenn ich den Film schon nicht geil fand? Nun ja … drei Gründe. 1. Ich war voll im Show-Flow. 2. Es gab noch ein Ticket für 20 GBP und ich dachte, hey, wenn’s nichts ist, ist es wenigstens günstig gewesen. 3. Nachdem mich Aladdin inkl. Fremdschämen deluxe maximal enttäuschte, ich auch König der Löwen nicht mochte, Die Schöne und das Biest sowie das Kurzmusical „Finding Nemo“ in Disneyworld Orlando aber liebte, wollte ich noch einem Disney-Musical eine Chance geben.

Für Disney fand ich die Bühne schon sehr gut aber einfach nicht spektakulär genug und als ich vor Beginn Fotos verschickte, wurde ich aufgrund der Leinwand gefragt, ob es einen neuen Frozen-Film gebe. Einige wenige Szenen waren verdammt gut, wie etwa einmal das Eisschloss und Olafs Sommer-Song. Laut einer Frau, mit der ich kurz sprach, gab es einige neue Songs und Szenen, die man aus dem Film nicht kannte. Meine Erinnerung reichte für diesen Abgleich absolut nicht. Das Publikum tobte wie in keiner der anderen Shows und ich verstand nicht so wirklich warum. Vermutlich aber, weil mir der gesamte Hype um den Film nicht verständlich ist. In der näheren Umgebung zum Musical gibt es einen beleuchteten Durchgang mit Filmzitaten – den fand ich wesentlich cooler als die quälend lange Zeit im Theatre Royal Drury Lane.

Mein Fazit: wer den Film mag oder gar liebt, sollte definitiv das Musical sehen. Alternativ besser das Geld in Book of Mormon stecken – eine der besten Shows in London.

Frozen als Musical in London 2021.

Frozen als Musical in London 2021.

Mary Poppins – Musical in London

Oh Mann. Ich bin ein riesiger Fan von Mary Poppins inkl. der Songs und dem Film „Saving Mr. Banks“. Seit Jahren wollte ich das Musical auf Englisch sehen und nun hat es zufällig endlich gepasst. Ich hatte enorm hohe Erwartungen hieran und der erste Eindruck im Prince Edward Theatre war ziemlich gut. Bereits kurz nach Beginn ließ mein Enthusiasmus jedoch nach und die verwunderten Blicke der Zuschauer zu Beginn der Pause zeigten mir, dass nicht nur ich einiges seltsam fand. Vor allem die abgewandelte Story, die fehlenden Songs und das ebenfalls noch gut optimierbare Bühnenbild.

Von den neu zugefügten Songs mochte ich nur einen, die abgewandelte Story mochte ich nicht wirklich, die Schauspieler waren jedoch ziemlich überzeugend. Der Applaus hätte ausgiebiger sein können und zwischendurch sahen immer wieder Menschen auf ihre Smartphones oder gingen kurz hinaus. Insgesamt wirkte alles hier sehr unruhig. Schade – ich hatte mich wirklich sehr gefreut und war am Ende einfach gar nicht begeistert.

Fazit: Wer mit Abwandlungen des Films klar kommt, wird hier glücklich werden.

Mary Poppins als Musical in London.

Mary Poppins als Musical in London.

Wicked – Musical in London

Oh, Wicked. In Atlanta sah ich dieses Musical zum ersten Mal und in London nun bereits zum zweiten und damit insgesamt zum dritten Mal. Ein Musical als Nicht-Musical-Fan dreimal zu sehen, sagt eigentlich schon alles. Wicked zählt für mich zu einer der besten Shows, die ich jemals sah. Die Story ist perfekt – auch für alle, die den Zauberer von Oz nicht kennen. Die Songs sind unglaublich gut. Das Bühnenbild ist spektakulär und die Schauspieler sind natürlich auch exzellent gewählt.

Es bedarf nicht vieler Worte: Wicked ist ein absolutes Must See!

Wicked in London 2021 - eins der besten Musicals in der Stadt.

Wicked in London 2021 – eins der besten Musicals in der Stadt.

Moulin Rouge – Musical in London

Wow! Ich habe schon immer den Film geliebt und mich seit Jahren auf das Musical gefreut, was der Anlass meiner Reise nach London war. Wie ich nun erfahren habe, wird Moulin Rouge im Herbst 2022 übrigens deutschsprachige Premiere im Musical Dome in Köln feiern. Ein Fakt, der mich nicht mehr interessiert, denn dieses Musical war gleichermaßen eine Enttäuschung wie Aladdin in Deutschland. Ich klatschte genau einmal: nach dem ersten Song. Zögerlich jedoch, da mir die Richtung hier schon nicht gefiel und ich nur die Hoffnung hatte, dass der Einstieg holprig war. Die Entstehung des Musicals wurde bertreut von Filmregisseur Baz Luhrman, weshalb ich mir absolut sicher war, dass es sehr gut und wie der Film sein würde. Stattdessen versank ich gefühlt 200 Mal im Sitz, während meine Hand den Weg zu meiner Stirn fand und sich mein Kinn im Pulli vergrub. Meine Begleitung tätschelte mir immer wieder mitfühlend die Schulter, litt jedoch weniger, da sie den Film nicht kannte.

Moulin Rouge The Musical in London kurz nach der Premiere im November 2021

Moulin Rouge The Musical in London kurz nach der Premiere im November 2021

Moulin Rouge The Musical ist ein billiger Mix aus den Popsongs der vergangenen 20 Jahren. Einst besuchte ich in London ein Konzert von Katy Perry und auch hier performte eine im Vergleich zur sehr fragilen Nicole Kidman korpulente Satine einen kompletten Song von Katy Perry. Wieso? Weil er inhaltlich passt, ach so. Ich stelle mir immer die Frage: wenn man einen Film produziert, der super gut und erfolgreich ist, wieso würde man dann alles abwandeln? Die Songs ersetzen oder erneuern? Die Story ändern? Zu meiner absoluten Freude saß ich neben drei betrunkenen Woo-Girls, die das Musical mit entweder einem Sing-Along oder einer Stripshow verwechselten. Lautstark grölten sie alle Songs mit, rissen die Arme hoch und schrien ständig „Woo“ in den Saal. Die Darsteller entsprachen meiner Meinung nach gar nicht denen im Film, weder optisch noch charakterlich und einzig glänzen konnte der Bühnenbau, der wirklich sehr gut war – außer am Ende, als er wirkte, als sei das Geld ausgegangen. Nur „Come What May“ wurde unverändert gelassen, „Roxeanne“ mehrheitlich. Letzterer Song wurde immerhin exzellent dargestellt. Wer denkt, er hat es geschafft, hat sich getäuscht: zum Ende folgt noch ein gefühlt endloser Popsong-Remix, bei dem alle ausrasten.

Mein dringender Rat: wer den Film liebt, bleibt auch hier fern und erfreut sich nur von außen am spektakulär beleuchteten Piccadilly Theatre.

Moulin Rouge The Musical im Picadilly Theatre in London

Moulin Rouge The Musical im Picadilly Theatre in London

The Great Gatsby – Immersive Experience in London

Save the best for last. In Gatsby’s Mansion in Mayfair bist du eingeladen zu Jay Gatsbys Party. Den Film zu kennen ist sicher hilfreich, aber nicht notwendig. „Immersion“ bedeutet „ein- bzw. untertauchen“ und exakt das geschieht hier: der Zuschauer wird Teil des Stücks, Teil der Party, Teil der Geschehnisse rund um Jay Gatsby, Tom und Daisy. In einem großen Raum mit Bar kann man Drinks erwerben und sich an Tischen, Stehtischen, auf Treppen oder frei im Raum platzieren. Bald geht es los und wer genau Zuschauer und Darsteller ist, wird dank der vielen Zuschauer im Look der 20er-Jahre nicht direkt klar. Darsteller kommen zu dir an den Tisch, teilen dir relevante Infos zum Inhalt mit. Den anderen bleibt dieses Wissen verwehrt. Die große Gruppe wird nach einer gemeinsamen (aber freiwilligen) Tanzeinlage immer wieder getrennt, meist in drei bis vier Gruppen. Was die anderen in den Nebenräumen erleben? Keine Ahnung. The Great Gatsby lädt zum Wiederkommen ein!

So kühl der große Saal wirkt, so detailreich sind die Nebenräume ausgeschmückt (und im Winter recht kalt). Den Großteil der Story erlebt man zusammen im großen Saal und dank des interaktiven Geschehens hat man wirklich das Gefühl ein Teil der Story zu sein und vor allem zum Ende hin von allem eingesogen zu werden. Unglaublich intensiv, unglaublich emotional und das alles umgesetzt und gelebt von grandiosen Darstellern, die einen empathischen Blick dafür haben, wer mehr und wer weniger Nähe vertragen kann. Für mich nicht nachvollziehbar verließ eine Handvoll Menschen das Stück in der Pause. Ich persönlich werde wiederkommen!

Fazit: The Great Gatsby ist eine der besten Erfahrungen ever wenn es um Theater und Shows geht. Für mich DAS absolute Must See beim Besuch in London – vor allem für alle, die den Film bzw. die Story lieben. Tipp: immer an einer anderen Tür platzieren, um die weiteren Räume zu sehen – dort ist man teils nur zu acht, was die Intimität nochmal erhöht.

The Great Gatsby Immersive London: ein absolutes Must See!

The Great Gatsby Immersive London: ein absolutes Must See!

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