Mein Jakobsweg von Spanien nach Portugal: Tops und Flops der Strecke in Spanien

Meine nicht-traditionelle Jakobsweg-Tour war sicher eine der ungeplantesten Reisen meines Lebens. Da ich mir in den Kopf gesetzt habe so bald wie möglich alleine 500 Meilen zu gehen, wollte ich vorher eine kleinere Strecke als Backpacker testen. Der Jakobsweg wurde mir vorgeschlagen, ich stimmte zu, es wurde gebucht, die Zeit verflog und plötzlich stand ich in Spanien. Klar war: Es geht rückwärts von Santiago de Compostela nach Porto. Klar war auch: Für die meisten Nächte sind Hotels gebucht – die Zielorte müssen also erreicht werden. Viel mehr war nicht klar, denn ich hatte lediglich am Vortag ein paar Fotos der Strecke gemacht und die Adressen der Hotels dabei. Aufgrund meiner vorherigen Reisen hatte ich leider keine Zeit für mehr Planung, obwohl ich so sonst nie verreisen würde. Ich dachte aber auch ehrlich gesagt, dass es kein Problem sein sollte den Jakobsweg in Santiago zu finden und entlang der gebuchten Hotels einfach nach Porto zu laufen. Falsch gedacht …

Die Gesamtstrecke meines nicht-traditionellen Jakobsweges in Spanien - auf dem Weg nach Porto.

Die Gesamtstrecke meines nicht-traditionellen Jakobsweges in Spanien – auf dem Weg nach Porto.

Unten gibt es wieder eine Zusammenfassung für Gestresste! Vor der Abreise habe ich noch gelesen, dass man sich auf dem Jakobsweg aufgrund der vielen Pfeile und Symbole eigentlich nie verlaufen könne. Das kann ich tatsächlich bestätigen – aber was, wenn man Strecken geht, die gar kein offizieller Jakobsweg sind? Aus einem nicht mehr nachvollziehbaren Grund war Cuntis von Santiago aus das erste Ziel. Noch vollkommen undurchdacht ging es also eine Landstraße entlang. Irgendwann wurde mir und auch meinen Begleitpersonen dann klar, dass das wohl gar kein Jakobsweg ist und wir einfach nur der vorgeschlagenen Läuferroute folgen. Sicher ist es etwas schade, dass nicht von Anfang an der traditionelle Jakobsweg gelaufen wurde, aber die Strecke nach Cuntis fand ich persönlich auch recht nett – wenn auch abschnittsweise sicher nicht ganz ungefährlich. Die Strecke zog sich und zog sich und zog sich. Selbst wenn man sonst ab und an 20 Kilometer pro Tag läuft, ist der Sprung zur 30 doch erheblich – vor allem wenn es bergauf und bergab geht. Da wir am Abend einen Fall mit schlimmen Knieproblemen hatten, fragten wir in einer Bar nach einem Taxi, um so die letzten fünf Kilometer zu beschreiten (schwarze Markierung im Bild). Ein sichtlich betrunkener Mann bot sofort an, die Fahrt zu übernehmen, da er gerade in diese Richtung am Aufbrechen war. Ein Abenteuer? Klar, volle Kraft voraus, denn Laufen geht nicht mehr und niemand wird zurückgelassen. Eine Minute später saß ich im Auto und dachte: „Was zum Teufel passiert hier gerade? … Und wie fahren Spanier eigentlich? … Und wie fahren sie, wenn sie betrunken sind?“ Alle flüchtigen Bedenken waren vergessen, als der Fahrer wenige Minuten später in Cuntis hielt und als Dank nicht einmal Geld wollte – nein, mit einem Kaffee solle man von dem Geld auf ihn anstoßen. Erstes Mal Trampen? Check! Schadenfrei überlebt? Check!

Die Strecke von Santiago nach Cuntis auf meinem nicht-traditionellen Jakobsweges in Spanien.

Die Strecke von Santiago nach Cuntis auf meinem nicht-traditionellen Jakobsweges in Spanien.

Am nächsten Tag führte der Weg nach einem Apothekenbesuch und einem Kniebandagenkauf dann weiter die Landstraße entlang Richtung Caldas de Reis. Inzwischen habe ich mir telefonisch Informationen eingeholt, wie man auf den traditionellen Jakobsweg gelangt. Unterwegs knickte ich filmreif um, da ich im „Eifer des Gefechts“ den Graben am Straßenrand übersah und plötzlich über einer Leitplanke hing. Fremde Voltaren und fremde Schuhe, die über den Knöchel gehen, haben sicher viel dazu beigetragen, dass ich gleich weiterlaufen konnte – auch wenn ich niemals gedacht habe, dass ich mal fremde Schuhe anziehen würde … Arztdiagnose nach der Rückkehr übrigens: stark überdehnte Bänder und Glück im Unglück. Ab Caldas de Reis ging es dann wirklich auf den bekannten Jakobsweg, der mit gelben Pfeilen Richtung Norden (Santiago) und blauen Pfeilen Richtung Süden (Porto) ausgeschildert war. Hier kamen uns nun auch erstmals Pilger entgegen, die meist sehr verwundert über die „falsche“ Richtung schienen. Auch jede Menge Autofahrer hupten und zeigten und riefen, um zu helfen, die richtige Richtung einzuschlagen. Es laufen wohl nicht viele Pilger ab Santiago nach Porto. Die Strecke war für mich landschaftlich in Ordnung, aber kein Highlight. Ziel des Tages war Pontevedra – erneut viel weiter weg als gedacht und mit einigen stadtinternen Rundgängen sowie mehrmaligem Verlaufen kamen bis abends tatsächlich rund 42 Kilometer zustande. Ganz ehrlich: 42 Kilometer an einem Tag ist meinem ungeübten Körper vor allem mit überdehnten Bändern dann doch zu viel

Die Strecke von Cuntis über Pontevedra nach Coia auf meinem nicht-traditionellen Jakobsweges in Spanien.

Die Strecke von Cuntis über Pontevedra nach Coia auf meinem nicht-traditionellen Jakobsweges in Spanien.

Tag 3 sollte nicht weniger anstrengend, dafür aber um ein Vielfaches schöner werden. Am Abend vorher hatte mir eine Frau in einer Bar eine Karte geschenkt, die den Jakobsweg von Pontevedra nach Redondela aufzeigte. Zwei Berge muss man auf dieser Strecke passieren – die sind allerdings nicht so hoch, wie die vom ersten Tag. Landschaftlich war die Strecke auch für mich wunderschön, obwohl ich kein großer Fan von Wald bin. Sehr viele aufgeregte Pilger kamen uns im Laufe des Tages entgegen, die erklärten, dass wir in die falsche Richtung laufen. Vor allem mit Wasserblick wurde die Strecke noch mal schöner, wenngleich es unterwegs auch herausfordernder war, ein Bad zu finden. Ein sehr netter Mann in einem kleinen Dorf bot auf Nachfrage nach der nächsten Toilette tatsächlich an, dass sein Bad zu Hause genutzt werden könne. Generell waren die Spanier alle unglaublich herzlich und bemüht. Dazu bald mehr. In Redondela angekommen fiel dann doch die Entscheidung, die rund 15 Kilometer nach Coia bei Vigo mit dem Bus zu bestreiten (schwarze Markierung im Bild). Die Entscheidung war gut, denn die Anstrengung des vergangenen Tages hat sich auch an diesem Tag noch gut bemerkbar gemacht.

Der nächste Tag sollte vielversprechend werden, denn die lang ersehnte Küste war zum Greifen nah! Die Pilger waren alle wieder verschwunden, da hier nur der unbekanntere „Camino Portugues de la Costa“ entlangführt, der scheinbar nicht wirklich oder zumindest nicht gut beschildert ist. Ein Umweg über den Strand zeigte, dass dieser zum einen über längere Zeit vermutlich doch zu anstrengend zu laufen ist, es zum anderen aber auch einfach unüberbrückbare Wasserstraßen gibt. Vor allem, wenn man seine Schuhe nicht noch zusätzlich tragen will und dank des Umknickens aber sowieso mit Verband unterwegs ist und sie gar nicht ausziehen kann. Also wieder zurück auf die Straße, und zwar auf jene, die immer so nah wie möglich an der Küste entlang führt. Fantastische Ausblicke auf leere und traumhafte Strände. Trotz Osterferien war nichts los – für mich und für alle anderen, die entweder nicht ins Meer wollen oder von kaltem Wasser nicht abgeschreckt sind also ein absoluter Insidertipp! Das Wetter war fantastisch! Die Strecke nach Baiona war vergleichsweise kurz und sehr schön und auch an der Hauptstraße gab es immer einen breiten Seitenstreifen, sodass das Laufen dort kein Problem war.

Die Strecke von Vigo über Baiona nach A Pasaxe auf meinem nicht-traditionellen Jakobsweges in Spanien.

Die Strecke von Vigo über Baiona nach A Pasaxe auf meinem nicht-traditionellen Jakobsweges in Spanien.

Der fünfte und letzte Tag in Spanien war der mit Abstand schönste! Von Baiona aus ging es die Küstenstraße direkt nach A Pasaxe, an der Grenze zu Portugal. Nahezu die gesamte Strecke lang hat man einen uneingeschränkten Blick auf das Meer. Grob erinnert hat mich die Strecke an den Pacific Coast Highway in California (USA) und an die Küstenstraße an der Ostküste auf der Südinsel Neuseelands. Landschaftlich sicher nicht ganz zu vergleichen, aber sowohl in den USA als auch in Neuseeland habe ich mit dem Auto oft bedauert, dass man nicht immer an allen Stellen anhalten kann. Wenn man läuft, kann man das, weshalb es mir in Spanien dann auch so gut gefallen hat! Nach der Mittagszeit wurde aber auch diese Strecke unglaublich anstrengend, da es kaum noch Schatten gab und es die ganze Zeit der Sonne entgegen ging. Ihr mit Gepäck auf dem Rücken schutzlos ausgeliefert, war jedes größere Gebüsch dann schon fast eine Party wert. In A Pasaxe angekommen, wo die Fähre nach Portugal seit April 2015 und bis Mitte des Monats nur „eingeschränkt“ fahren sollte, wurde das Wort „eingeschränkt“ dann näher definiert. Es bedeutet nicht, wie ich dachte, dass die Fähre vielleicht nur dreimal täglich fährt, sondern dass sie nur an drei Tagen der Woche fährt! Also Taxi rufen, zwölf Kilometer weit weg zur nächsten Brücke fahren, das Portugal-Länderschild passieren, wieder den ganzen Weg auf der anderen Seite zurückfahren und in Caminha dann erstmalig den Boden meines 33. Landes betreten. 35 Euro hat diese Taxifahrt gekostet, dazu gab es noch fünf Euro Trinkgeld. Wie es in Portugal weitergeht? Lies es hier

Zusammenfassung für Gestresste:

  • Tag 1: Santiago de Compostela bis Cuntis, bedingt empfehlensert (Landstraße).
  • Tag 2: Cuntis bis Pontevedra, ab Caldas de Reis gut, bis dahin nur bedingt empfehlenswert (erst Landstraße, dann der traditionelle Jakobsweg – Camino Portugues).
  • Tag 3: Pontevedra bis Coia, zweitschönste Strecke der Tour (traditioneller Jakobsweg bis Redondela – Camino Portugues, dann Bus).
  • Tag 4: Coia bis Baiona, schöne Strecke (Küstenstraße am Meer entlang – Camino Portugues por la Costa, dann Hauptstraße).
  • Tag 5: Baiona bis A Pasaxe, absolut empfehlenswert, schönste Strecke der Tour (Küstenstraße am Meer entlang – Camino Portugues por la Costa, dann Taxi nach Caminha, Portugal).

Alles Liebe,
Claire

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