Spontaner Road Trip in den europäischen Zwergstaat Andorra – Tag 1

Anfang Oktober 2016 entschied ich morgens spontan, noch am selben Tag mit dem Auto nach Andorra zu fahren. Bald darauf verschickte ich diverse Nachrichten nach dem Motto „Unterwegs nach Andorra“ und bekam erschreckend oft als Antwort zurück: „Was‘n das?“ … Für alle, die gerade nicht denken, dass ich mich in Max Frischs gleichnamigen Roman verkrochen habe: Andorra ist einer der sechs europäischen Zwergstaaten zwischen Frankreich und Spanien und wie ich finde ein echter Geheimtipp sowie ein „Must do“ in Europa! Hier mein Bericht zu Tag 1 von 2 …

Freilebendes Pferd neben einem kleinen Bach in Andorra.

Freilebendes Pferd neben einem kleinen Bach in Andorra.

Da die Maut bis Andorra in Frankreich recht teuer ist, habe ich die Mautstraßen überwiegend gemieden und stattdessen die mautfreien Landstraßen genutzt. Vor allem aufgrund der vielen Kreisel in Frankreich kann ich diese Alternative kaum empfehlen und reagiere seitdem extrem gereizt, wenn mein Navi mich im Alltag auf einen Kreisel aufmerksam macht …

Blick auf eine der für Andorra typischen Serpentinenstraßen.

Blick auf eine der für Andorra typischen Serpentinenstraßen.

Für die Strecke zwischen der französischen Grenze bei Saarbrücken bis nach Andorra habe ich so schätzungsweise 18 reine Fahrtstunden gebraucht. Landschaftlich hat sich das Nutzen der Landstraße kaum gelohnt und ich würde immer dazu raten, die Mautstrecke zu nutzen.

Sonnenuntergang in Andorra.

Sonnenuntergang in Andorra.

Andorra ist neben dem Vatikanstaat, Monaco, San Marino, Liechtenstein und Malta also nicht nur einer der europäischen Zwergstaaten, sondern beherbergt zudem auch noch die am höchsten gelegene Hauptstadt Europas, Andorra la Vella. Nach Andorra bin ich über die Strecke von Bourg-Madame kommend gefahren.

Das Länderschild ist hier nicht allzu schön zu fotografieren, was dem Hintergrund in Form eines Zollgebäudes zu verdanken ist. Schöner ist das Länderschild auf dem Weg von Bixessarri nach Os de Civis in Spanien und bei Nebel ist auch das Schild in Pas de la Casa ziemlich beeindruckend. Einen Stempel in meinen Reisepass habe ich auch auf Nachfrage übrigens wie auch in Großbritannien nicht erhalten.

Sonnenschein über einem der Täler von Andorra.

Sonnenschein über einem der Täler von Andorra.

Was bei der Ankunft in Andorra direkt auffällt: tanken ist verdammt günstig! Zur Zeit meiner Reise kostete Diesel nur 85 Cent pro Liter und damit rund 25 Cent weniger als in Deutschland. Zudem beträgt die Mehrwertsteuer nur 4,5 Prozent. In Kleidungsgeschäften sind die Preise teils mit speziellen und günstigeren Andorra-Preisen überklebt. Fun Fact: Der Postversand innerhalb Andorras ist kostenlos.

Die freilebenden Pferde in Andorra haben keine Angst vor Menschen und sind perfekte Fotomotive.

Die freilebenden Pferde in Andorra haben keine Angst vor Menschen und sind perfekte Fotomotive.

In Andorra la Vella kann man sicher gut einen ganzen Tag verbringen, vor allem wenn man ihn mit Shopping, Flanieren und Essen füllen möchte. Ich war der Ansicht, dass ich nicht für eine Stadt nach Andorra gefahren bin und habe mich dort deshalb nur kurz aufgehalten. Was ich sehen wollte war die Natur.

Der erste Tag bestand aus mehr oder weniger planlosem Umherfahren. Dringend rate ich dazu, die Bergstraßen bis zum höchsten Punkt zu fahren. Die Ausblicke von Andorras Bergen sind fantastisch! Aber Achtung: Rund eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit fuhr ich Richtung Pas de la Casa. Kurz vor dem höchsten Punkt sah ich eine unschuldig wirkende Wolke über den Berg hinweg ziehen, die Richtung Tal strömte. Sobald ich in diese hineinfuhr, erwarteten mich Nebel und Dunkelheit mit teilweise unter einem Meter Sichtweite – und das auf einer Serpentinenstrecke. Ohne Navi hätte ich die kommenden Kurven kaum vohersehen können, als ich mit quasi überflüssiger, weil kaum sichtbarer, Nebelschlussleuchte und teils nur zehn Stundenkilometer langsam den Berg hinab tuckerte. Spannend – ok, und ein wenig scary!

Andorra-Eingangsschild im Nebel von Pasa de la Casa.

Andorra-Eingangsschild im Nebel von Pasa de la Casa.

Die kleine Stadt Pas de la Casa an der Landesgrenze versank komplett im Nebel und war vollkommen ausgestorben. Die Beleuchtung war atemberaubend, was an der gelblichen Straßenbeleuchtung und dem Nebel lag. Auf jeden Fall unvergesslich und lohnend – auch wenn ich den Berg danach ja auch wieder ohne Sicht hoch musste …

Bewaldete Berge entlang einer Straße von Andorra.

Bewaldete Berge entlang einer Straße von Andorra.

Die Landschaften sind absolut beeindruckend! Vor allem außerhalb der Wintersaison ist es laut Einheimischen nahezu ausgestorben und auch sonst kämen fast nur Spanier und Franzosen sowie – seit eine Tour de France Etappe in Andorra stattfand – auch einige Engländer.

Die Hotelpreise außerhalb der Wintersaison – sofern die Hotels geöffnet haben – sind wahnsinnig günstig, sodass man beispielsweise bei einer Buchung am selben Tag in einem Vier-Sterne-Hotel für ein Doppelzimmer mit Halbpension nur 90 Euro bezahlt. Genau das habe ich gemacht und war wahnsinnig zufrieden.

Blick auf die grünen Berge Andorras.

Blick auf die grünen Berge Andorras.

Auch vom Wetter her eignete sich der Oktober ideal. Tagsüber war es so warm, dass eine leichte Jacke oder ein Pullover reichten, im Auto auch ein T-Shirt und lediglich ab Sonnenuntergang wurde es zugegeben ziemlich kalt. Frühjahr und Herbst scheinen perfekte Reisezeiten zu sein, für alle, die wenig Tourismus und angenehmes Wetter erleben wollen. Mehr zu meinem Trip nach Andorra in Teil 2.

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